Gustav Hüttig

Gustav Hüttig studierte Chemie an der Universität Leipzig und war nach Beendigung seines Stu diums zwischen 1914 und 1922 Assistent an der niedersächsischen Bergakademie Clausthal. Danach folgten Aufenthalte an den Technischen Hochschulen in Jena, Leipzig und Bonn. Im Jahr 1926 wurde er als Ordinarius für anorganische und analytische Chemie an die damalige Deutsche Technische Hochschule Prag berufen.

Hüttigs Biografie, er war geborener Prager, spiegelt die Brüche des 20. Jahrhunderts wider, die aufgrund der Aufl ösung der bis 1918 gültigen europäischen Ordnung und deren Folgen Menschen ihrer Heimat beraubte. Als Beispiel dafür sind Hüttigs sieben Staatsbürgerschaften zu erwähnen, die er im Lauf seines Lebens hatte, wiewohl er sich in keinem größeren Umkreis als zwischen Prag, Jena und Graz bewegte. Im Jahr 1946 berief ihn die Technische Hochschule Graz zum Vorstand des Institutes für Anorganische und Physikalische Chemie.

Dort widmete er sich dem Aufbau des Instituts, das unter seiner Führung wieder Spitzenforschung betrieb. Auch die durch die erste Nachkriegszeit unterbrochene Publikationstätigkeit nahm er wieder auf. So erschienen 1947 bereits wieder drei Arbeiten und bis zum Jahr 1954 fand Hüttig zu seiner Vorkriegsproduktivität zurück. Insgesamt publizierte er während seiner wissenschaftlichen Laufbahn mehr als 280 Arbeiten, die sich mit mehr als dreißig verschiedenen Teilgebieten der organischen, anorganischen und physikalischen Chemie beschäftigten. So forschte Hüttig unter anderem über das Beizvermögen des Dioxyanthrachinons und die Beziehung zwischen Atomvolumen und Koordinationszahl. In Graz widmete er sich in späten Jahren neuen Arbeitsgebieten und setzte seine erfolgreiche Laufbahn als Experimentator auf dem Gebiet der Sintervorgänge und Mahlprozesse fort.

Wie Erika Cremer (Wilhelm-Exner-Medaille 1957) in ihrer Laudatio anlässlich Gustav Hüttigs 65. Geburtstag erwähnte, "sollte man alle seine Arbeiten gelesen haben und nochmals gelesen haben, denn ihre Lektüre ist ein Genuss, wegen der Fülle neuer Gedanken und der fesselnden Darstellung, die Marksteine in der Entwicklung unserer Wissenschaft sind". Hüttig, der auch in den Jahren 1953/54 Rektor der technischen Hochschule Graz war, wurde vielfach geehrt. Als eine der bedeutendsten ihm verliehenen Auszeichnungen ist die Liebig-Denkmünze des Vereins Deutscher Chemiker, dem er auch angehörte, zu erwähnen.