Karl Girkmann

Der Wilhelm-Exner-Medaillenträger des Jahres 1953 studierte an der Technischen Hochschule Wien und war während des Ersten Weltkriegs als Offi zier im Eisenbahnregiment mit dem Neubau von Brücken betraut. Nach dem Kriegsende wandte sich Girkmann bei A.E.G. in Wien der Errichtung von Überlandleitungen für die damals im Entstehen begriffenen Wasserkraftwerke zu. Mit grundlegenden wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen über den Brückenbau und die konstruktive Gestaltung von Gittermasten schuf er sich einen auch international anerkannten Ruf.

In seinen weiteren Stellungen bei österreichischen Stahlbauunternehmen, insbesondere bei der Waagner-Biro A. G. in Wien, beschäftigte er sich auch mit dem Stahlhochbau und arbeitete bei vielen Bauten führend mit, wie beispielsweise beim großen Stahlskelettbau der architekturgeschichtlich wichtigen Tabakfabrik in Linz. Wie in der Laudatio auf Girkmann 1953 erwähnt wurde, erfolgten Berufungen an die Technischen Hochschulen Brünn und Graz, die er aber ausschlug und sich dafür entschied, stattdessen im Jahr 1938 Ordentlicher Professor für Technische Mechanik an der Wiener Technischen Hochschule zu werden. Während dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit der Berechnung und Konstruktion von Flächentragwerken, worüber er ein grundlegendes Werk verfasste, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals erschien und noch bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts immer wieder aufgelegt wurde. Karl Girkmann war 1948/49 Dekan für Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Wien und bekleidete im Studienjahr 1950/51 das Amt des Rektors.

Girkmann publizierte in den führenden Fachzeitschriften seiner Zeit, war Verfasser eines grundlegenden Werkes über die Berechnung und Konstruktion von Flächentragwerken. Weiters sind seine Mitgliedschaften in zahlreichen Fachverbänden und seine rege Beteiligung an wissenschaftlichen Kongressen zu erwähnen. Im Jahr 1950 wurde er zum wirklichen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt.

Insbesondere wurde in der Laudatio hervorgehoben, dass Girkmanns Forschungsarbeiten den Bau von Überlandleitungen, den Stahlhochbau, den Behälterbau, den Brückenbau und viele andere Zweige des Bauwesens wesentlich beeinfl ussten und er damit idealtypisch der von Wilhelm Exner erhobenen Maxime wissenschaftlicher Forschung mit starkem Praxisbezug entsprach.