Richard Johann Kuhn

Den Nobelpreis für Chemie erhielt Richard Kuhn im Jahr 1938 für seine bahnbrechenden Arbeiten über Carotinoide und Vitamine. 1936 gelang ihm die erste teilweise Synthese des Vitamins B2, weiters klärte er die vollständige Struktur des Vitamins B6 auf, bevor er einige Jahre später dieses Vitamin synthetisierte. Zugleich mit seinen Forschungen über Vitamine interessierte sich Kuhn auch für chemische Sexualstoffe.

Weiters widmete er sich auch der Erforschung der in der Natur vorkommenden Pigmente. So bestimmte er die chemische Zusammensetzung der Karotine (Familie der gelben, orangefarbenen oder roten Pigmente), diejenige der Lykophine (rotes Pigment der Tomate) und der aus dem Krokus isolierten Krokeine.

Kuhn wies nach, dass die Farbe der Pigmente von ihrer chemischen Struktur bestimmt wird. Seine Ausbildung begann er kurz nach Beendigung des Ersten Weltkriegs an der Universität Wien mit dem Studium der Chemie und wechselte ein Jahr später zu Richard Willstätter (Chemie-Nobelpreis 1915) an die Universität München. In seiner Doktorarbeit beschäftigte sich Kuhn bereits mit der Rolle der Enzyme im Kohlenhydratstoffwechsel, einem Forschungsgebiet, dem er sich auch in den folgenden Jahrzehnten widmen sollte. Er habilitierte sich 1925 und hielt Vorlesungen, wurde ein Jahr später an die ETH Zürich berufen, wo er eine Professur für allgemeine und analytische Chemie von 1926 bis 1929 innehatte. Danach wechselte er an die Universität Heidelberg. Im gleichen Jahr erfolgte auch seine Bestellung zum wissenschaftlichen Direktor des damals in Heidelberg neu gegründeten Kaiser-Wilhelm-Instituts für medizinische Forschung. Im Jahr 1937 übernahm er die Gesamtleitung des Instituts, welches unter Richard Kuhns Mitwirkung nach Kriegsende als Max Planck Institut eine Neugründung erfuhr.

Zu dieser Zeit lehrte Kuhn bereits in den USA an der University of Pennsylvania, wo er bis zum Jahr 1953 blieb, danach kehrte er nach Heidelberg zurück. Durch seine weit über 700 Publikationen zu Problemen der Stereochemie und der Enzymforschung sowie durch seine Arbeiten über die Isolierung zahlreicher Karotinoide gelangte Richard Kuhn weit über seine eigene Fachdisziplin hinaus zu internationalem Ansehen. Mehr als 50 Ehrungen und Auszeichnungen wurden ihm in seinem Leben zuteil, unter anderem erfolgte Ende der 50er Jahre die Aufnahme in den Orden Pour le Mérite. Darüber hinaus war er auch Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker.