Ludwig Prandtl

Ohne die im Jahr 1904 von Ludwig Prandtl auf dem Mathematiker Kongress in Heidelberg vorgestellte Grenzschichtforschung wäre der Himmel bis heute ausschließlich Vögeln vorbehalten. Aus der modernen Luftfahrtforschung sind nämlich Prandtls Gleichungsvereinfachungen nicht mehr wegzudenken. Er erkannte, dass nur ein in unmittelbarer Nähe des Gegenstandes existierendes Gebiet, nämlich die Grenzschicht, entscheidend die Umströmung beeinfl usst. Deren Größe variiert beispielsweise beim Flugzeug zwischen einem und zehn Zentimeter.

Diese Erkenntnis erhielt nicht nur enorme praktische Bedeutung für die Flugtechnik, sie spielt auch bis heute für die Entwicklungen im Automobilbau und der Verfahrenstechnik eine zentrale Rolle. Auswirkungen hat sie auf die Sicherheit, den Treibstoffverbrauch und die Lärmentwicklung. Im Jahr 1910 entwickelte er die heute so genannte Prandtl-Zahl, die dem Verhältnis zwischen der durch innere Reibung erzeugten Wärme und der abgeführten Wärme in einer Strömung entspricht. Auf ihn geht auch der erste Windkanal Deutschlands (1908) zurück, den er zur Entwicklung seiner 1918 vorgelegten Tragfl ügeltheorie nutzte. Diese machte nämlich erstmals die Berechnung von Tragfl ächenprofi len möglich.

Prandtl studierte ab dem Jahr 1894 Ingenieurswissenschaften an der Technischen Hochschule München, wo er sechs Jahre später mit der Promotion abschloss. Danach arbeitete er als Ingenieur in der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg an der Entwicklung von Fabrikanlagen, wo er bei der Arbeit an einer Absauganlage erstmals mit Fragen der Strömungstechnik in Berührung kam. Im Jahr 1902 wurde Ludwig Prandtl als Ordentlicher Professor an die Technische Hochschule Hannover berufen.

Durch Unterstützung des Mathematikers Felix Klein (1849-1925), welcher sich vehement dafür einsetzte, die Luftfahrtwissenschaft in Göttingen zu betreiben, erhielt Prandtl 1904 dort den Lehrstuhl für Technische Physik und Angewandte Mathematik. Diesen behielt er bis 1947 und nahm außerdem 1909 den ersten Lehrstuhl Deutschlands für Aeronautik ein. Sehr viele seiner Schüler wie beispielsweise Theodor von Kármán (Wilhelm-Exner-Medaille 1962) wurden ebenfalls international bekannt. Prandlt gründete 1907 zur Durchführung aerodynamischer Versuche die Modellversuchsanstalt Göttingen, die später in Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA) umbenannt wurde und eine der drei Vorläuferorganisationen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt war.