Karl Holey

Der Ausgezeichnete war Bauhistoriker, Denkmalpfleger, Dombaumeister und als Architekt überwiegend Kirchenbauer. Holey studierte an der Technischen Hochschule Wien Architektur, schloss sein Studium im Jahr 1904 ab. Danach blieb er weitere zwei Jahre als Assistent an der TH Wien und unternahm als Stipendiat der Ghega-Stiftung Studienreisen in europäische Länder. Im Jahr 1908 trat er als Beamter bei der k.k. Zentralkommission für Kunst- und historische Denkmale, dem heutigen Bundesdenkmalamt, ein.

Nach seiner Promotion im Jahr 1915 folgte er der Berufung zum außerordentlichen Professor und trat gleichzeitig das Amt des Generalkonservators in der Denkmalpflege an. Im Jahr 1920 habilitierte er sich und wurde im Jahr 1925 zum Ordentlichen Professor an die TH Wien berufen. Während seiner Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule in Wien ab 1915 stand er ebenso wie sein Kollege Siegfried Theiß (1882-1963) in Opposition zur Wagnerschule. 1925 bis 1929 nahm er an den Ausgrabungen der Akademie der Wissenschaften in Gizeh in Ägypten teil. Er betätigte sich auch als Restaurator, beispielsweise beim Diokletianpalast in Split.

Holey war in der Zwischenkriegszeit auch im Wiener Kommunalwohnbau engagiert, sein Schwerpunkt lag jedoch im Sakralbau. Als Architekt bezog er sich auf den Historismus, berücksichtigte aber regionale Gegebenheiten oder vorhandene Proportionen. Zugleich verabsäumte er nicht, gegen traditionelle Normen zu verstoßen und eine moderne Formensprache zu verwenden, wenn ihm dies von seinem künstlerischen Empfinden geboten wurde. Er entwarf seine Bauten als Reaktion auf die jeweiligen Umstände und Bedürfnisse und vermied es sich inhaltsloser Dekorelemente, wie dies im Historismus üblich war, zu bedienen.

Zwischen 1934 und 1938 gehörte Holey dem Bundeskulturrat des Ständestaats an. In den Jahren 1937 bis 1938 war er Rektor der Technischen Hochschule Wien. Im März 1938 trat er ebenso wie zwei der fünf Dekane sowie 13 Professoren von seinem Amt zurück. Ab 1937 bis zu seinem Tod 1955 war Holey Dombaumeister von St. Stephan in Wien. Nach Kriegsende wurde er zum Leiter des Wiederaufbaus des Wiener Doms berufen, leitete aber auch die Restaurierungsarbeiten an der Wiener Peterskirche sowie am Gurker und Salzburger Dom. Im Jahr 1946 wurde Holey wieder als Rektor an der Technischen Hochschule eingesetzt und war in Folge bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1951 als Dekan tätig.