Ernst Späth

Der Wilhelm-Exner-Medaillenträger des Jahres 1937 besuchte die Realschule in Cesky Sternberk (Sternberg, Mähren). Er studierte an der Universität Wien Chemie und wurde nach Vollendung seiner Dissertation - "Über die Anlagerung von Säureanhydriden an Aldehyde und Ketone" - 1910 zum Dr. phil. promoviert.

Danach arbeitete er als Assistent am I. Chemischen Institut der Universität Wien. Im Jahr 1917 habilitierte er sich als Privatdozent für Chemie an der Wiener philosophischen Fakultät. Sechs Jahre später erfolgte die Berufung zum Professor. Späths wissenschaftlicher Schwerpunkt lag in der Erforschung von Alkaloiden. Die zumeist ausgesprochen bitter schmeckenden Alkaloide kommen vor allem in Pfl anzen vor und fi nden unter anderem als Arzneimittel Verwendung. Späths Lebenswerk umfasst die Konstitutionsaufklärung von über 120 Pfl anzenstoffen.

Der Laureat des Jahres 1937 wurde durch die von ihm 1919 erbrachte Strukturaufklärung und die Erstsynthese des Meskalins als Forscher international bekannt. Die Substanz selbst wurde bereits im Jahr 1896 vom deutschen Pharmakologen und Chemiker Arthur Heffter (1859-1925) isoliert. Als erstem gelang Späth die Synthese des Ephedrins und des Pseudoephedrins, was deren großfl ächigen Einsatz in der Arzneimittelherstellung möglich machte. Ephedrin wurde in Späths Zeit gegen die Symptome asthmatischer Anfälle eingesetzt und wird bis heute bei Hypotonie und Kreislaufschwäche sowie als Mittel zweiter Wahl bei Schlafstörungen eingesetzt.

Späth wurde im Jahr 1924 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und zwei Jahre später zum wirklichen Mitglied gewählt. 1929 wurde er korrespondierendes Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1931 gehörte er der Carol-Leopoldinischen Akademie der Naturforscher in Halle als Mitglied an, 1934 wurde er zum korrespondierenden auswärtigen Mitglied der Academia de Ciencias Exactas, Fisicas y Naturales in Madrid gewählt. Späth wurde 1920 mit dem Liebig-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1933 mit der Lavoisier-Medaille der Societé Chimique de France in Paris und 1937 der Liebig-Denkmünze des Vereines Deutscher Chemiker in Berlin ausgezeichnet. Er wirkte zwischen 1938 und 1945 als Generalsekretär und nach Kriegsende in den Jahren 1945 bis 1946 als Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.