Friedrich Bergius

Der Nobelpreisträger und Wilhelm-Exner-Medaillenträger absolvierte das Breslauer Realgymnasium und studierte im Anschluss daran Chemie an den Universitäten Breslau und Leipzig. Bergius schloss sein Studium im Jahr 1907 mit dem Doktortitel ab. Im Anschluss daran war er bei den Nobelpreisträgern des Jahres 1920, Walter Nernst (1864-1941) und Fritz Haber (Wilhelm- Exner-Medaille 1929), sowie an der Technischen Hochschule Hannover als Hochschulassistent tätig.

Im Jahr 1911 richtete er sich in Hannover ein Privatlaboratorium ein und arbeitete als Privatdozent an der Technischen Hochschule Hannover. Ab diesem Jahr stellte er systematische Untersuchungen über die Anwendbarkeit hoher Drucke und hoher Temperaturen auf chemische Reaktionen an. Seine Forschungen führten bereits im Jahr 1913 zur Anmeldung eines "Verfahrens zur Verfl üssigung von Steinkohle". Mit Hilfe dieses Verfahrens wird Braun- oder Steinkohle mit Schweröl angeteigt und bei einem Druck von 300 bar und einer Temperatur von 450-500 Grad unter Anwendung von Katalysatoren mit Wasserstoff zur Reaktion gebracht. Die Reaktionsprodukte sind Schwer- und Mittelöle sowie Benzin und Gase.

Damit legte Bergius auch den Grundstein für die im Jahr 1931 erfolgte Auszeichnung mit dem Nobelpreis. Um dieses Verfahren technisch umsetzen zu können, trat Bergius 1913 als technischer Leiter bei dem Essener Unternehmen Goldschmidt ein. Nach dreijähriger Vorbereitungszeit - gefördert durch die vom Ersten Weltkrieg verursachte Energieknappheit - konnte Bergius ab dem Jahr 1916 großtechnische Versuche durchführen und so dem von ihm erfundenen Verfahren zur Serienreife verhelfen.

Diese Versuche wurden nach dem Ersten Weltkrieg von der wesentlich kapitalstärkeren BASF weitergeführt. Die Patente gingen im Jahr 1927 an die I.G. Farbenindustrie über, die das Verfahren in den Leuna-Werken endgültig in großindustriellen Maßstab überführte. Der wissenschaftliche Ruf von Bergius gründete sich aber nicht nur auf die Kohle-Verfl üssigung , sondern auch auf die Nutzbar machung anderer Stoffe. Aufgrund der während des Ersten Weltkriegs auftretenden Nahrungsmittelnot erforschte er ab dem Jahr 1916 die Verzuckerung von Holz zum Zweck der Futtermittelerzeugung. Nach 1945 befasste sich Bergius als Berater beim Wiederaufbau sowie mit der Modernisierung von chemischen Werken in ganz Europa. 1947 folgte er einem Ruf der argentinischen Regierung, um dort eine chemische Industrie aufzubauen.