Lord Ernest Rutherford of Nelson

Als einer der erfolgreichsten Experimentatoren der Geschichte gilt der aus Neuseeland stammende Forscher. Schon früh zeichnete er sich durch außergewöhnliche schulische Leistungen aus, was ihm Stipendien verschaffte, die es ihm ermöglichten die Universität von Christchurch in Neuseeland und danach das Cavendish-Laboratorium in Cambridge zu besuchen. Seine erste wissenschaftliche Publikation erschien 1894 in Neuseeland über die magnetisierende Wirkung schnelloszillierender elektromagnetischer Felder.

Die Entdeckung der Radioaktivität durch Antoine Henri Becquerel (1852-1908) wurde für Rutherfords weitere Forschungen bestimmend. Er untersuchte die ionisierende Wirkung radioaktiver Strahlung auf Gase und entdeckte zwei unterschiedlich stark absorbierbare Komponenten, die er Alpha-Strahlen und Beta-Strahlen nannte. Im Jahr 1898 folgte er einer Berufung an die McGill-Universität in Montreal, wo er bis zum Jahr 1907 forschte. Er konzentrierte sich auf die Erforschung der Alpha-Teilchen und 1903 gelang ihm ihre Ablenkung im starken Magnetfeld und der Nachweis, dass sie positiv geladen sind. Dass es sich um zweifach positiv geladene Heliumionen beziehungsweise Heliumkerne handelt, zeigten 1908 zwei Mitarbeiter Rutherfords, nämlich Hans Geiger (1882-1945) und Thomas Royds.

Das Gesetz des radioaktiven Zerfalls fand er 1902 zusammen mit Frederick Soddy (1877-1956). Rutherford erhielt für die "Unter suchungen über den Zerfall der Elemente und die Chemie der radioaktiven Materie" im Jahr 1908 den Nobelpreis für Chemie. 1907 nahm er die Berufung auf den Langworthy-Lehrstuhl in Manchester an. Im Anschluss an die 1906 beobachtete Schmalwinkelstreuung von Alpha-Teilchen beim Durchgang durch dünne Materieschichten suchten 1909 die Mitarbeiter Rutherfords, Ernest Marsden (1889-1970) und Hans Geiger, in Rutherfords Labor nach einer potentiellen Weitwinkelstreuung.

Die Deutung der von Marsden und Geiger gemachten Beobachtung führte in zweijähriger Arbeit zur Entwicklung des Begriffs Atomkern. 1919 gelang der Nachweis der ersten künstlich erzielten Kernumwandlung. In Cambridge erfolgte 1932 von seinem Schüler James Chadwick (1891-1974) die Entdeckung des von Rutherford bereits 1920 postulierten Neutrons. Rutherford wurde in Großbritannien 1911 geadelt, 1925 zum Präsidenten der Royal Society gewählt und im Jahr 1931 baronisiert.