Ferdinand Porsche

Der geniale Konstrukteur und Exner-Laureat Ferdinand Porsche steht am Beginn einer über drei Generationen währenden Reihe von Wilhelm- Exner-Medaille-Ausgezeichneten, die aus den Familien Porsche und Piëch stammen, denn Sohn Ferdinand (Ferry) Porsche erhielt 1973 und Enkel Ferdinand Piëch 2002 die Wilhem-Exner-Medaille. Ferdinand Porsche sollte als drittes von fünf Kindern den väterlichen Spenglereibetrieb übernehmen und damit die Familientradition fortführen.

Bereits früh interessierte er sich aber für Fragen der Elektrizität, was zu Verstimmungen mit seinem Vater führte, der, wie überliefert wird, seinem Sohn die Beschäftigung mit "diesem Firlefanz" untersagte. Entsprechend den elterlichen Vorgaben absolvierte Ferdinand-Porsche eine Spenglerlehre, besuchte danach die Staatsgewerbeschule in Reichenberg und trat 1893 bei der Elektrofi rma Bela Egger & Co. (später Brown Boveri) in Wien ein. Binnen einiger Jahre stieg Porsche aufgrund seines großen Talents und technischen Verständnisses vom Arbeiter zum Leiter des Prüfraums auf.

Die Konstruktion eines elektrischen Radnabenmotors erfolgte im Jahr 1897, als Porsche zur k. u. k. Hofwagenfabrik Jacob Lohner & Co., Wien wechselte. Bereits drei Jahre später erregte der auf der Pariser Weltausstellung präsentierte Lohner-Porsche sowohl in der Fachwelt als auch beim Publikum großes Interesse. Die Konstruktion - es handelte sich um ein transmissionsloses, durch einen Porsche-Radnabenmotor angetriebenes Fahrzeug - wurde als epochale Neuheit gefeiert. Ferdinand Porsche testete die von ihm entwickelten Fahrzeuge auch unter Rennbedingungen und errang viele Siege wie beispielsweise 1900 auf dem Semmering bei Wien. Im Jahr 1906 wechselte Porsche als Technischer Direktor, ab 1917 Generaldirektor, zu Austro-Daimler nach Wiener Neustadt. Bei Austro-Daimler setzte Porsche seine erfolgreiche Karriere als Rennfahrer fort. So gewann er 1910 die damals populäre "Prinz- Heinrich-Fahrt", eine Langstreckenprüfung über 1495 Kilometer für Tourenwagen.

Erstmals kam bei diesem Rennen ein Tourenwagen in neu artiger aerodynamischer "Tulpenform" zum Einsatz, der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern möglich machte. In Wiener Neustadt schuf Porsche aber auch leistungsstarke Flugmotoren, große Zugmaschinen, Feuerwehrfahrzeuge und Oberleitungsbusse sowie Transportsysteme mit benzin-elektrischem Antrieb. 1922 stellte Porsche den "Sascha", einen kleinen Rennwagen mit vier Zylindern und 1,1 Liter Hubraum, vor. Das Auto war sofort ein Erfolg, denn der "Sascha" gewann im gleichen Jahr bei der Targa Florio in Sizilien auf Anhieb die Plätze 1 und 2 in seiner Klasse. Die Gazetta dello Sport schrieb über diesen Erfolg: "Noch bis vor kurzem hätte man es einfach für unerreichbar erklärt, mit einem Vierzylindermotor, der in die Kategorie der allerkleinsten Wagen gehört, eine derartige Höchstleistung in Geschwindigkeit und Widerstandsfähigkeit zu erzielen."

Im Jahr 1923 erfolgte Porsches Übersiedlung nach Stuttgart, wo er Technischer Direktor und Vorstandsmitglied der Daimler- Motoren-Gesellschaft wurde und für die Weiterentwicklung der Mercedes-Kompressorwagen sorgte. Rasch stellten sich auch wieder Rennerfolge ein, der Wagen erreichte den Gesamtsieg auf der Targa Florio. Den Rennerfolg nahm die Technische Hochschule Stuttgart zum Anlass Porsche, der diese Würde auch von der Technischen Hochschule Wien erhalten hatte, den Titel Dr. Ing. ehrenhalber zu verleihen. Eine weitere Ehrung erfolgte 1940, als er zum Honorarprofessor ernannt wurde.

1929 verließ Ferdinand Porsche Daimler-Benz und ging nach Österreich zur Steyr-Werke AG als Technischer Direktor. Eineinhalb Jahre später gründete er in Stuttgart sein eigenes unabhängiges Konstruktionsbüro. Kurz nach der Gründung meldete er bereits die von ihm entwickelte Drehstabfederung zum Patent an, über die ein bekannter Fachjournalist gesagt hatte, sie allein hätte genügt, um dem Namen Porsche in der Welt des Automobils ein Denkmal zu setzen. Weiter erfolgreich war er auch als Rennwagenkonstrukteur. Für die Auto Union konstruierte er 1932 einen 16-Zylinder- Kompressor-Grand-Prix-Rennwagen, der unter dem Namen Auto- Union-P-Wagen - P für Porsche - 32-mal siegte.

Seine bedeutendste Konstruktion war aber die des Volkswagen Käfers. 1938 kam es zur Grundsteinlegung des Volkswagenwerks. Kurz vor Produktionsbeginn brach der Zweite Weltkrieg aus und der Volkswagen diente zunächst als Entwicklungsbasis für den Kübel- und Schwimmwagen. Porsche war zu dieser Zeit als Konstrukteur für die Armee tätig, schuf aber auch Windkraftanlagen oder den Volkstraktor.

Nach Kriegsende wurde Ferdinand Porsche von Frankreich 22 Monate festgehalten. In seinen letzten Lebensjahren konnte Porsche noch den Beginn der unglaublichen Karriere des Käfers miterleben, der zum meistgebauten Auto der Welt wurde und dessen Produktion erst am 30. 7. 2003 eingestellt wurde.