Franz Joseph Emil Fischer

Auf den Exner-Laureaten des Jahres 1936 geht das nach ihm und seinem Mitarbeiter Hans Tropsch (1889-1935) benannte Verfahren zur Herstellung von Kraft- und Schmierstoffen durch Verflüssigung von Kohle zurück, welches 1925 zum Patent angemeldet wurde. Die durch dieses Verfahren synthetisierten Kohlenwasserstoffe bestehen hauptsächlich aus flüssigen Paraffinölen. Das dafür benötigte Synthesegas - eine Gasmischung aus Kohlen monoxid und Wasserstoff - wird aus Koks oder Kohle durch Umsetzung mit Wasserdampf und Sauerstoff bei Temperaturen oberhalb von 900 Grad Celsius in der Kohlevergasung erzeugt.

Zum Zeitpunkt der Patentanmeldung stand Fischer bereits seit zwölf Jahren dem von ihm als Gründungsdirektor aufgebauten Mülheimer Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung vor. Das von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Industrie aufgebaute Kohlenforschungsinstitut wurde kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs eröffnet.

Fischer studierte an den Universitäten Giessen und München. Zwischen 1904 und 1911 war er zuerst Assistent und dann Abteilungsleiter am I. Chemischen Institut in Berlin, danach zwei Jahre Ordentlicher Professor und Direktor des Instituts für Elektrochemie an der Technischen Hochschule Berlin. Bereits während des Krieges entstanden aufgrund der Knappheit von Rohstoffen die wissenschaftlichen Grundlagen über die Verschwefelung von Kohle. Weiters arbeitete Fischer zu dieser Zeit im Hinblick auf die Ölgewinnung an der systematischen Untersuchung deutscher Kohlevorkommen. Umgesetzt wurde die Fischer-Tropsch-Synthese im Industriemaßstab ab dem Jahr 1935 bei der Ruhrchemie in Oberhausen. In Deutschland wurden während des Zweiten Weltkriegs bereits zu Beginn der 40er Jahre in neun Produktionsanlagen rund 600 000 Tonnen flüssige Kohlenwasserstoffe pro Jahr nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren gewonnen. Das Verfahren wurde auch lizenziert, nämlich an zwei japanische Unternehmen und je ein französisches und eines in der Mandschurei.

Aufgrund der Konkurrenz durch das Erdöl wurde das Verfahren nach dem Zweiten Weltkrieg unrentabel. In den vergangenen Jahren gewann es aber wieder an Aktualität. Im Zuge der Entwicklung neuer Biotreibstoffe kommt es bei der Herstellung von Kraftstoffen aus Biomasse wieder zum Einsatz, indem pflanzliche Rohstoffe einem Vergasungsprozess unterzogen und daraus Treibstoffe gewonnen werden.