Hermann F. Mark

Hermann F. Mark maturierte im Jahr 1913, verpflichtete sich danach als Einjährig-Freiwilliger in der k.k. Armee. Dies hatte zur Folge, dass er aufgrund des Ersten Weltkriegs das Studium der Chemie erst 1921 mit Auszeichnung beenden konnte. Mark wurde dreimal verwundet und war mit 14 Tapferkeitsmedaillen der meist ausgezeichnete Truppenoffizier der k.k. Armee.

Im Jahr 1921 wechselte er als Assistent an das Chemische Institut der Universität Berlin. Ein Jahr später arbeitete er beim Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Faserstoffchemie, das er ab dem Jahr 1923 leitete. Mark führte im KWI neue experimentelle Methoden wie die Röntgenbeugung ein, mit der er die Molekülstruktur von Textilfasern untersuchte. Durch Empfehlung Fritz Habers (Wilhelm-Exner-Medaille 1929) kam Hermann Mark 1927 zu I.G. Farben, wo er bis zum Jahr 1932 seine Grundlagenforschungen fortführte und deren industrielle Anwendung, wie beispielsweise Buna, den ersten Synthesekautschuk, einführte. Er war der Erfinder der Polymerisation, der Verbindung von gleichartigen Molekülen zu Polymeren.

Der spätere zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling (1901-1994), der Mark in Deutschland besuchte, sagte über ihn: "Von 1923 bis 1928 war er einer der führenden Spezialisten für die Anwendung der Röntgenbeugung zur Bestimmung von Kristallstrukturen. In meinen Augen ist er ein Pionier der modernen Strukturchemie und einer der maßgeblichen ersten Mitstreiter ihrer Entwicklung." Mark verließ Deutschland aus politischen Gründen bereits im Jahr 1932, kehrte nach Wien zurück und übernahm an der Wiener Universität eine Professur.

Im Jahr 1938 wurde Mark von der Gestapo verhaftet und konnte nach der Freilassung mit seiner Familie in die Schweiz, später nach Kanada fl üchten. In Kanada arbeitete er bis zum Jahr 1940 als Forschungsleiter bei der Canadian International Pulp and Paper Company, wo er das Laborpersonal ausbildete und die Pro - duktionsvorgänge optimierte. Ebenfalls im Jahr 1940 wurde Mark an das New Yorker Polytechnic Institute berufen.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Mark auch für die amerikanische Regierung. 1944 gründete er das Institute of Polymer Research, das erste seiner Art in den USA, welches er bis 1964 leitete. Mark, der sich in den USA Herman Francis Mark nannte, initiierte auch die Reihe High Polymers and Related Substances, in der vierzig Monographien erschienen sind.