Friedrich Ignaz von Emperger

Der Wilhelm-Exner-Medaillenträger Emperger war zu seiner Zeit der führende Stahlbeton-Technologe. Er studierte an der Technischen Hochschule Wien, bis 1884 an der Deutschen Technischen Hochschule Prag und war danach an dieser Universität Assistent für Brücken- und Eisenbetonbau. Durch den Besuch der Pariser Weltausstellung im Jahr 1889 lernte er die neue Technologie Stahlbeton kennen, erfasste sofort die sich aus dieser Technologie ergebenden Entwicklungsmöglichkeiten und wanderte in die USA aus, wo er diese Technologie auch einführte.

Er arbeitete Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts als Ingenieur bei "Jackson Architect Iron Works" in New York und zeichnete verantwortlich für Entwurf und Ausführung der Untergrundbahnen in New York und Boston sowie von Hochhäusern. Weiters nutzte er seine Kenntnisse zum Bau der ersten amerikanischen Eisenbetonbrücken. Dabei war er auf die deutschen Lieferungen von Portlandzement angewiesen, weil damals in den Vereinigten Staaten diese Qualität noch nicht erzeugt wurde. Im Jahr 1894 nahm er die technischen und kommerziellen Interessen der k.k. Staatsbahnen von New York aus wahr.

Emperger war ab dem Jahr 1896 wieder in Wien anzutreffen, wohin er auf Wunsch seiner Frau zurückkehrte. Er versuchte seine Erfahrungen mit Stahlbeton in Österreich zu verbreiten, was angesichts konservativer Technologie-Gegner harte Kämpfe zur Folge hatte. Emperger setzte sich durch und fungierte bei den Weltausstellungen in Paris (1900) und in Buffalo, New York (1901) als Vertreter des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins.

Auch außerhalb seines engeren Fachbereichs fi nden sich Spuren von Empergers Tätigkeit. So war er seit 1899 Mitglied des österreichischen Patentamtes, Mitbegründer des österreichischen Eisenbetonausschusses, den er ab 1912 als Vizepräsident und zwischen den Jahren 1926 und 1938 als Präsident leitete. Emperger gründete auch im Jahr 1900 die zuerst in Wien, dann in Berlin erscheinende führende Zeitschrift "Beton und Eisen".

Emperger wurde für seine bahnbrechenden Arbeiten zum Ehrendoktor der TH Prag, zum Ehrenmitglied des Institute of Structural Engineers in London und des Königlichen Institutes der Holländischen Ingenieure ernannt. Anlässlich des Wettbewerbes für erdbebensichere Gebäude erhielt er die Große Italienische Staats medaille sowie die vom Königreich Sachsen verliehene Staatsmedaille für Verdienste im Bereich der preußischen Baukunst.