Rudolf Saliger

Als Pionier des österreichischen Eisenbetonbaus steht der Name Rudolf Saligers in den Annalen der Baugeschichte. Nach Abschluss seines Studiums an der Bauingenieur-Abteilung der Technischen Hochschule Wien war er im Brückenbaubüro und der Streckenbauleitung der Südbahngesellschaft tätig. Sein Karriereweg führte ihn über eine kurze Tätigkeit im oberösterreichischen Staatsbaudienst nach Deutschland zum Materialprüfamt Berlin- Dahlem. Daneben war er auch in seinem ursprünglichen Beruf als Zivilingenieur für Eisenbeton in Kassel tätig.

Im Jahr 1908 erhielt Saliger die Berufung zum Außerordentlichen Professor für Baumechanik und Eisenbeton an die Deutsche Technische Hochschule Prag. Ein Jahr später erfolgte die Berufung zum Ordentlichen Professor für Eisenbeton und Statik an die Technische Hochschule Wien, wo Saliger bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1940 wirkte. Er war ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet des Eisenbetons. Seine Expertise beruhte sowohl auf der praktischen Tätigkeit als Zivilingenieur als auch auf wissenschaftlichen Arbeiten, die Saliger als Grundlagenforscher und im Auftrag der Bauwirtschaft in seinem Laboratorium an der Technischen Hochschule durchführte.

Zu den zu seiner Zeit als Standardwerke geltenden Veröffentlichungen Saligers zählen "Der Eisenbeton in Berechnung und Gestaltung", "Praktische Statik", "Feuer- und Rostsicherheit der Eisenbetonbauten", "Hallenbauten und Dächer aus Eisenbeton" und "Schubwiderstand und Verbund von Eisenbetonbalken" sowie "Dehnfugen und Gelenke im Eisenbetonbau". Weiters betätigte sich Saliger als Herausgeber der Zeitschrift für Betonbau, in der er auch selbst eine Vielzahl seiner wissenschaftlichen Aufsätze und Praxiserfahrungen veröffentlichte.

Saligers Expertise und Wirken als Zivilingenieur fand sowohl in Österreich als auch international seinen Niederschlag. Im Jahr 1931 war Saliger in Russland, der damaligen Sowjetunion, tätig. In Wien lässt sich seine Beteiligung an zahlreichen bekannten Bauwerken, die teilweise zu Wahrzeichen der Stadt geworden sind, nachweisen. Saliger war als Statiker unter anderem bei der Errichtung des Dianabads, des Wiener Stadions, des Hochhauses in der Herrengasse, der Reichsbrücke sowie der Filmstudios am Rosenhügel beteiligt. Darüber hinaus war Saliger auch bei anderen Projekten ein zu seiner Zeit außerordentlich gefragter Zivilingenieur, der eine Vielzahl von Industrieanlagen und Wohnhäusern errichtete.