Michael Hainisch

Der zweite österreichische Bundespräsident, Michael Hainisch (1920-1929), erhielt die Wilhelm- Exner-Medaille für seine großen Verdienste, welche er sich um die Volkswirtschaft erworben hatte. Anstoß für die Verleihung an den damals amtierenden Bundespräsidenten war sein Engagement für Sozialpolitik, wie in der Laudatio ausdrücklich vermerkt wurde.

Hainisch studierte in Leipzig und Wien, wo er im Jahr 1882 zum Dr. jur. promovierte. Danach wechselte er nach Berlin und besuchte die volkswirtschaftlichen Seminare von Gustav Schmoller (1838-1917) und Adolph Wagner (1835-1917). Nach kurzer Tätigkeit bei Gericht, in der Finanzprokuratur und im Unterrichtsministerium (1886-90) widmete sich Hainisch als bereits namhafter Experte der parteiunabhängigen Arbeit in agrar- und sozialpolitischen Fragen sowie volksbildnerischen Aktivitäten.

Seit 1892 war Hainisch in der Landwirtschaft tätig und gestaltete seinen Besitz in Jauern am Semmering zu einer Musterwirtschaft aus. Darüber hinaus nahm er auch Anteil an landwirtschaftlichen Berufsorganisationen und wurde im Jahre 1920 zum Präsidenten des Direktoriums der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft gewählt. In seiner näheren Heimat Gloggnitz war er mehrere Jahre lang Bezirksarmenrat, später Mitglied des Gemeindeausschusses, schließlich Vorstand der örtlichen Sparkasse. Seine Verdienste waren vielfältig, so organisierte er beispielsweise im Jahr 1889 den Volksbildungsverein, war Mitbegründer der Wiener Zentralbibliothek und finanzierte auch die "Südmark"- Büchereien im gemischtsprachigen steirisch-kärntnerischen Unterland.1898 nahm er am Arbeiterschutzkongress in Brüssel teil und wurde in den Beirat des Arbeitsstatistischen Amtes im Handelsministerium berufen.

Hainisch beteiligte sich auch an der Debatte über die Mittelschulreform und trat für eine möglichst wirklichkeitsnahe Ausrichtung des höheren Schulwesens ein. Weiters war er ein Befürworter des allgemeinen Wahlrechts, welches er als stabilisierendes Element für die österreichische Monarchie erachtete. Ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg war Hainisch Mitbegründer der Beratungsstelle für Volkswohlfahrt. Während des Ersten Weltkriegs engagierte er sich vor allem im sozialen Bereich, insbesondere in der Betreuung des Hinterlandes. Er bekleidete auch das Amt des Handelsministers, aus dem er sich bereits 1930 wieder zurückzog, und war unter anderem auch Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften.