Carl Julius von Bach

Bachs Lebensgeschichte gleicht, wiewohl er den größten Teil seines Lebens in Deutschland verbrachte, der vom Tellerwäscher zum Millionär. Als Sohn eines
Sattlers schaffte es Bach zum geadelten Universitätsprofessor, der zu einer herausragenden Persönlichkeit auf dem Gebiet des Maschinenbaus wurde.

Bach studierte nach seiner Lehre bei einem Schlossermeister an der Königlichen Höheren Gewerbeschule und der Werkmeisterschule in Chemnitz. Er machte nicht nur den Maschinenbau zu einer Wissenschaft, sondern veröffentlichte auch grundlegende Werke über Elastizität und Festigkeit von Werkstoffen. Rudolf Diesel räumte ein, ohne Bachs Werk hätte er wohl kaum seinen Motor bauen können.

Bachs Wirkung war weitreichend, sein 1881 erschienenes 1000 Seiten starkes Fachbuch "Die Maschinenelemente" erlebte bis 1922 dreizehn Auflagen, wurde 30.000-mal verkauft und ins Schwedische, Französische und Russische übersetzt.

Carl von Bach gilt auch als Wegbereiter moderner Ingenieurausbildung. Auf ihn geht unter anderem die Einführung des einjährigen Pflichtpraktikums im Werkstattbereich zurück. Er schlug auch vor, die Ausbildung von Ingenieuren auf verbesserte Kenntnisse von Fremdsprachen, insbesondere des Englischen, auf Fragen des Rechts, der Verwaltung und der Wirtschaft auszudehnen.
Entgegen massiver Widerstände des akademischen Establishments gründete Bach in Stuttgart, wo er als Professor am Polytechnikum, der späteren Technischen Hochschule, von 1878 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1922 tätig war, die erste deutsche Materialprüfungsanstalt.

Weiters war er Gründer zahlreicher wissenschaftlicher Einrichtungen an der Technischen Universität Stuttgart, so beispielsweise des Maschinenlaboratoriums. Aus dieser Institution sowie aus der Staatlichen Materialprüfungsanstalt (MPA) gingen die Forschungsund Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen (FMPA) und sieben Institute der Universität hervor.

Bach besuchte im Jahr 1873 als 26-Jähriger Großbritannien und litt bei der Überfahrt auf dem Ärmelkanal unter schwerer Seekrankheit. Dies und auch der Umstand, dass er den Warenaustausch zwischen Festland und Insel optimieren wollte, bewogen ihn, die Planung eines Tunnels in Angriff zu nehmen. Er war damit seiner Zeit um rund 100 Jahre voraus. Zweiflern, die Gefahren sahen, entgegnete er: "Da beinahe alles möglich ist, hat sich der Ingenieur zu
fragen, ob es auch wahrscheinlich ist."