Rudolf Wegscheider

Rudolf Wegscheider studierte Chemie und war einer der Begründer der physikalischen Chemie in Österreich. Von 1902 bis 1931 hatte er einen Lehrstuhl in Wien inne. Während seiner Zeit erreichte er auch den Neubau eines Institutsgebäudes für Chemie. Als Vorsitzender des Vereins Österreichischer Chemiker amtierte er von 1904 bis 1929.

Wegscheider wirkte entscheidend an der Entwicklung der Theorie der Geschwindigkeit chemischer Reaktionen, der Reaktionskinetik mit. Diese beschäftigt sich mit dem zeitlichen Ablauf chemischer Reaktionen sowie den physikalisch-chemischen Vorgängen während dieses Prozesses.

Der Exner-Laureat erlebte während seines Studiums an der Wiener Universität die Blüte der organischen Chemie, die im 19. Jahrhundert aus der Analyse der reichlich vorhandenen fossilen Brennstoffe erwuchs, während in seinen Jahren als Professor an der Wiener Universität die anorganische Chemie eine "Hochentwicklung" erlebte, wie in der ihm zu Ehren erschienenen Festschrift zum 70. Geburtstag erwähnt wird. Wegscheider, der an den Schnittpunkten der wissenschaftlichen Entwicklung stand, gilt als einer der Begründer der physikalischen Chemie in Österreich. Wegscheider, der 1917 mit dem Ignaz Lieben-Preis ausgezeichnet wurde, der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vergeben wird, wurde selbst zum Namensgeber eines von der Österreichischen Akademie verliehenen Preises. Ausschlaggebend für seine Auszeichnung mit der Wilhelm- Exner-Medaille waren aber seine Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Chemie, denn wie in der Laudatio hervorgehoben wurde, hatten sie "Auswirkung gezeitigt für die chemische Technologie und für die Erzeugung und Verwertung vieler chemischer Produkte, insbesondere für die Riechstoffi ndustrie".

Wegscheider engagierte sich, den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie ständig voranzutreiben, um dadurch die industrielle Praxis zu fördern. Dies zeigte sich auch daran, dass Rudolf Wegscheider seit der Gründung des Technischen Versuchsamtes Beiratsmitglied war und als Vizepräsident der vom Gewerbeverein gegründeten Kommission der technischen Versuchsanstalten tätig war. Seine Verbindung zur Industrie zeigte Wegscheider auch am Abend der Verleihung der Wilhelm-Exner-Medaille, denn im Anschluss an den Festakt hielt er einen Vortrag über "Wissenschaft und Industrie", in dem er die enge Zusammenarbeit zwischen diesen Bereichen auch als Notwendigkeit der Grundlagenforschung betonte.