Hubert Engels

Als Begründer der Wissenschaft des Wasserbaus ist Hubert Engels in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen. Er studierte Bauingenieurwesen in Berlin und München. Bereits während seiner Studienzeit spezialisierte er sich auf den Wasserbau. Zunächst war er als Staatsbeamter bei der preußischen Wasserbauverwaltung tätig. Im Jahre 1887 übernahm er eine Professur für Wasserbau. Drei Jahre später folgte er dem Ruf an die Königlich Sächsische Technische Hochschule Dresden, der er zwischen 1896 und 1898 auch als Rektor vorstand.

Engels verfügte aus zahlreichen zeitgenössischen Wasserbauprojekten über umfangreiche praktische Erfahrungen, die ihn in die Lage versetzten Wasserbau und Hydromechanik auf wissenschaftliche Grundlagen zu stellen. Vor Engels Innovationen war empirisches Vorgehen bei der Errichtung von Wasserbauten die Regel. Engels setzte stattdessen auf wissenschaftliche Methodik und Standards. Diesem Prinzip folgend gründete er im Jahr 1898 an der Technischen Hochschule Dresden das weltweit erste ständige Flussbaulaboratorium.

Damit wurde der hydraulische Modellversuch ein wichtiges Hilfsmittel in der wissenschaftlichen Erforschung des Wasserwesens. Zusätzlich setzte er in Zusammenspiel mit seinen praktischen Erfahrungen die hydraulische Berechnung zur Lösung von Strömungsproblemen ein. Engels widmete sich besonders dem Studium der Wasserbewegung in einem Flusslauf, der Interaktion zwischen Wasser und Flussbett sowie dem Feststofftransport. Die Suche nach Erkenntnissen auf diesem Gebiet und seine Begabung, die Strömungserscheinungen über die Beobachtung zu erfassen und zu verstehen, veranlassten ihn, Flussstrecken maßstäblich zu verkleinern und als Modelle aufzubauen, um die Strömungserscheinungen umfassender beobachten zu können.

Engels Tätigkeit erstreckte sich bis nach Wien, er war dort ab 1911 Beratungsmitglied für die Schifffahrtstechnische Versuchsanstalt. Engels Wirken als Professor an der Technischen Hochschule Dresden dauerte vom 1. 10. 1890 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1924. Danach beteiligte er sich aber auch weiterhin an vielen Forschungsvorhaben und Modellversuchen, vor allem in der Wasserbauversuchsanstalt Obernach. Aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste um die wasserbauliche Forschung wurde Engels 1935 zum ersten Ehrenmitglied der International Association for Hydraulic Structures Research (IAHR) ernannt.