Carl Paul Gottfried von Linde

Linde gilt als Begründer der industriellen Kältetechnik. Er studierte ab 1861 am Polytechnikum Zürich. Der Abschluss erfolgte 1864, danach war er in der Berliner Baumwollfabrik Kottern und bei der Lokomotivfabrik Krauss in München tätig. Im Jahr 1868 wurde er Außerordentlicher Professor für Maschinenbau an der Polytechnischen Schule München, ab 1872 Ordentlicher Professor. Linde errichtete in München das erste Maschinenlaboratorium, das auch zum Ausgangspunkt seiner bahnbrechenden Entwicklungen in der Kältetechnik wurde und in dem neben anderen Rudolf Diesel seine Ausbildung erhielt.

Bereits 1871 legte Linde mit einer Publikation über optimierte Kältetechnikverfahren den Grundstein seiner späteren Karriere. Linde schuf wesentliche Grundlagen der modernen Kältetechnik. 1871 konzipierte er eine mit Methylether arbeitende Kältemaschine, die er in der Maschinenfabrik Augsburg (heute MAN AG) herstellen ließ. Die zweite, 1876 folgende Generation von Kühlmaschinen arbeitete mit Ammoniak. Das Prinzip der Abkühlung von Gas, das vorher mechanische Arbeit geleistet hat, war beiden gemeinsam.

Insbesonders europäische Brauereien interessierten sich für Lindes Erfindung, da sie seit 1840 in der Produktion auf die untergärige Lagerbier-Herstellung umgestellt hatten, die wiederum ein genaues Temperaturmanagement erforderlich machte. Linde kooperierte in der Startphase seines Unternehmens bevorzugt mit der Münchner Spaten-Brauerei und einigen rheinischen Brauereien. Gustav Jung, Direktor einer dieser Brauereien, und Gabriel Sedlmayr von der Spaten Brauerei waren auch als Aktionäre und als Aufsichtsräte in der von Linde im Jahr 1879 gegründeten Gesellschaft vertreten.

Bereits nach kurzer Zeit war das Unternehmen in Europa führend auf kältetechnischem Gebiet, was auch durch den milden Winter 1883/1884 und die Verknappung des Natureis-Angebots begünstigt wurde. 1890 zog sich Linde aus dem operativen Geschäft in den Aufsichtsrat seiner Aktiengesellschaft zurück, aus dem er 1910 ausschied. Carl von Linde nahm nach seiner unternehmerischen Laufbahn in den Jahren zwischen 1892 und 1910 die Tätigkeit als Professor an der Polytechnischen Schule München wieder auf. Linde gehörte auch neben dem Wilhelm-Exner-Medaillenträger Oskar von Miller und Walter von Dyck, dem Rektor der Technischen Hochschule München, zu den Gründern und Förderern des Deutschen Museums in München.