Oskar von Miller

Der Wilhelm-Exner-Medaillenträger des Jahres 1921 studierte von 1874 bis 1878 am Münchner Polytechnikum, der heutigen TU München, Ingenieurswesen mit Schwerpunkt Eisenbahn-, Wasser- und Brückenbau. Danach trat er als Ingenieur für Eisenbahn-, Brücken- und Wasserbau in den Staatsdienst ein. Mangelnde Karrierechancen und der im Jahr 1891 erfolgte Besuch der ersten Elektrotechnischen Ausstellung in Paris bewogen Miller sich der Elektrotechnik zuzuwenden.

Bereits ein Jahr später organisierte er in München die erste deutsche Elektrotechnische Ausstellung. Als Highlight installierte Oskar von Miller - in Zusammenarbeit mit dem französischen Elektrotechniker Marcel Deprez (1843-1918) - eine 57 Kilometer lange Fernleitung, die auf Gleichstrombasis funktionierte. Gemeinsam mit dem Industriellen Emil Rathenau (1832-1915) gründete Miller 1883 die "Deutsche Edisongesellschaft für angewandte Elektricität", die 1887 in die "Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft" (AEG) umgewandelt wurde.

Drei Jahre später schied er aus der AEG aus, mit dem Argument, "nicht den Reichtum der Aktionäre mehren zu wollen", und gründete in München ein Ingenieurbüro. Binnen kurzer Zeit erlangte Millers Büro im Bereich der Elektroenergiewirtschaft eine führende Stellung. Im Jahr 1891 leitete Miller die Elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt am Main. Dort demonstrierte er eine bis dahin für undurchführbar gehaltene Drehstromfernübertragung mit dem von Michail Ossipowitsch Doliwo-Dobrowolski (1861-1919) entwickelten Drehstromsystem. Der Leitungsweg führte von einem Wasserkraftwerk in Lauffen zum 178 Kilometer entfernten Frankfurt am Main. Für die Übertragung wurde eine Spannung von 25 000 Volt benutzt. Mehrere Jahrzehnte arbeitete Miller an dem als "Bayernwerk" bekannt gewordenen Projekt, welches unter Ausnutzung der Wasserkräfte Bayerns mit einer installierten Leistung von 1253 Millionen Kilowatt der Landeselektrizitätsversorgung zu dienen hatte. Von 1918 bis 1924 war er Projektleiter beim Bau des damals weltweit größten Speicherkraftwerks, des Walchenseekraftwerks.

Auf Miller geht auch die im Jahr 1903 erfolgte Gründung des Deutschen Museums in München zurück. Gemeinsam mit dem Pionier der Kältetechnik und Wilhelm-Exner-Medaillenträger des Jahres 1922, Carl von Linde, und Walter von Dyck, dem Rektor der Technischen Hochschule München, bildete er das Gründungsteam und den ersten Museumsvorstand.